
Leishmaniose bei meinem Hund: Wie ein paar kleine Pusteln unser Leben veränderten
Es gibt Erlebnisse, die man nie vergisst.
Nicht, weil sie in diesem Moment besonders spektakulär wirken, sondern weil man erst Monate oder sogar Jahre später versteht, dass genau dort alles begonnen hat.
Wenn ich heute an unsere Reise nach Portugal zurückdenke, denke ich nicht zuerst an hohe Wellen, beeindruckende Steilküsten oder wunderschöne Sonnenuntergänge am Atlantik. Ich denke an Maya. Und an ein paar kleine Pusteln in ihrem Ohr, denen ich damals noch überhaupt keine große Bedeutung geschenkt habe.
Heute weiß ich, dass genau dort unsere Geschichte mit der Leishmaniose begann.
Was ich heute jedem Hundebesitzer sagen würde

Eine Leishmaniose-Diagnose fühlte sich für mich im ersten Moment wie ein Schock an. Heute weiß ich: Mit der richtigen Behandlung, Geduld und viel Liebe können viele Hunde trotzdem ein glückliches Leben führen.
Als Maya die Diagnose Leishmaniose bekam, wusste ich nicht, was auf uns zukommt. Ich hatte Angst, machte mir Vorwürfe und suchte verzweifelt nach Antworten.
Mit diesem Artikel möchte ich genau die Informationen und Erfahrungen teilen, die ich damals selbst gebraucht hätte.
Inhaltsverzeichnis
Was ich heute jedem Hundebesitzer sagen würde
Zwischen Diagnose und Ausnahmezustand
Die Nacht, in der ich mir selbst die Schuld gab
Unser Alltag bestand plötzlich aus Medikamenten
Ernährung wurde plötzlich zum Hauptthema
Rückblickend war diese Zeit wahrscheinlich die größte Herausforderung,
❤️ Was ich aus dieser Geschichte gelernt habe
Warum ich diese Geschichte erzähle
Teil 2 – Als ich fast dachte, Maya zu verlieren
Unser Traum von Portugal

Portugal stand schon lange auf unserer Wunschliste. Nicht nur, weil so viele Camper von diesem Land schwärmten oder weil ich unbedingt einmal den Süden Europas kennenlernen wollte. Ich wollte surfen lernen, die beeindruckende Atlantikküste entdecken und einfach verstehen, warum so viele Reisende immer wieder dorthin zurückkehren. Gleichzeitig hatten wir geplant, mehrere Wochen im Tierheim Mayday Algarve mitzuhelfen. Für mich gehörte genau diese Mischung mittlerweile zum Reisen dazu: neue Orte entdecken und gleichzeitig etwas zurückgeben.

Bevor wir überhaupt in unser Vanlife starteten, ließ ich Mia und Maya im Juli 2024 noch einmal komplett beim Tierarzt untersuchen. Mir war wichtig, mit einem guten Gefühl loszufahren. Beide wurden gründlich durchgecheckt und waren gesund. Es gab keinerlei Auffälligkeiten und keinen Grund zur Sorge.
Im August 2024 begann dann das größte Abenteuer unseres bisherigen Lebens.
Gemeinsam reisten wir durch England, Schottland und Irland. Jeder Ort brachte neue Erinnerungen mit sich – wunderschöne, aber manchmal auch unglaublich nervenaufreibende. Wer uns schon länger begleitet, erinnert sich vielleicht an Mayas Geschichte aus Irland. Fünf Tage lang war sie dort verschwunden, bevor ich sie völlig unerwartet wieder in die Arme schließen konnten. Damals dachte ich, schlimmer könnte es eigentlich kaum noch werden.
Nach Weihnachten verbrachten wir nur kurz Zeit in Deutschland, bevor wir Anfang Januar wieder aufbrachen. Unser Ziel war Portugal. Ganz entspannt fuhren wir durch Frankreich, weiter über Nordspanien bis nach Portugal.

Wir verbrachten einige Zeit im Nationalpark, erkundeten Porto und arbeiteten uns langsam die Küste entlang Richtung Süden. Genau diese Art zu reisen liebe ich bis heute. Kein Zeitdruck, keine festen Pläne und einfach dort bleiben, wo es uns gefällt.

Zwischen Porto und Lissabon änderte sich dann alles.

Die ersten kleinen Anzeichen

An einem Abend fiel mir beim Streicheln zum ersten Mal auf, dass Maya kleine Pusteln im Ohr hatte. Sie wirkten völlig unscheinbar. Keine offenen Stellen, keine Blutungen und auch sonst machte sie einen ganz normalen Eindruck. Ich reinigte das Ohr etwas gründlicher als sonst und beschloss, die Stelle einfach in den nächsten Tagen weiter zu beobachten.
Genau das tat ich auch.

Die Pusteln wurden weder schlimmer noch besser. Zwei Wochen lang veränderte sich eigentlich gar nichts. Maya fraß ganz normal, trank wie immer, spielte mit Mia und freute sich über jeden Spaziergang. Hätte ich sie nicht jeden Tag so genau beobachtet, wären mir die kleinen Veränderungen wahrscheinlich irgendwann gar nicht mehr aufgefallen.
Rückblickend gab es in dieser Zeit nur noch einen einzigen Moment, der mir heute immer wieder durch den Kopf geht. Eines Abends wollte ich Maya wie so oft zum Schlafen in den Camper heben. Dabei jammerte sie ganz kurz auf. Ich ließ sofort wieder locker und dachte, ich hätte sie wahrscheinlich einfach ungünstig angefasst. Danach war sofort wieder alles normal.
Heute frage ich mich natürlich, ob sie damals vielleicht bereits Schmerzen hatte und ich die ersten Anzeichen einfach nicht richtig deuten konnte. Aber genau das ist das Schwierige: Hunde sind wahre Meister darin, Schmerzen zu verbergen. Maya zeigte keinerlei Veränderungen in ihrem Verhalten. Sie war fröhlich, neugierig und genauso aktiv wie immer. Deshalb gab es für mich damals überhaupt keinen Grund, an eine so schwere Erkrankung zu denken.


Da wir ohnehin auf dem Weg zur Algarve waren, entschied ich mich, das Thema erst einmal im Tierheim anzusprechen. Dort arbeiteten viele Menschen mit jahrelanger Erfahrung und natürlich kannten sie auch Tierärzte, die regelmäßig Hunde mit typischen Mittelmeerkrankheiten behandelten.

Ehrlich gesagt ging ich zu diesem Zeitpunkt immer noch davon aus, dass es wahrscheinlich etwas Harmloses sein würde.
Ich hätte nicht falscher liegen können.
Der Tierarztbesuch
Im Tierheim selbst machte sich zunächst niemand große Sorgen. Die Pusteln waren zwar auffällig, hatten sich in den letzten Tagen aber kaum verändert. Deshalb beschlossen wir, sie beim nächsten Tierarztbesuch einfach mit anschauen zu lassen.
Ein paar Tage später war eine Tierärztin direkt im Tierheim, um mehrere Hunde zu untersuchen. Eigentlich wollten wir Maya dort ebenfalls auf Leishmaniose testen lassen. Leider waren die Leishmaniose-Schnelltests bereits alle verplant und keiner mehr übrig. Trotzdem nahm sie sich kurz Zeit, schaute sich Maya genauer an und hob dabei auch ihre Lefzen an.
Genau in diesem Moment änderte sich ihr Blick.
Sie zeigte mir kleine Veränderungen im Maul, die mir vorher überhaupt nicht aufgefallen waren. Festlegen wollte sie sich nicht. Sie erklärte ganz offen, dass sie so keine Diagnose stellen könne, empfahl mir aber, Anfang der Woche in ihre Praxis zu kommen und dort einen Schnelltest durchführen zu lassen.

Also warteten wir noch das Wochenende ab und fuhren am Montag gemeinsam zum Tierarzt.
Eigentlich verlief der Termin zunächst völlig entspannt. Mia und Maya wurden untersucht, bekamen ihre Zeckentablette und anschließend machten wir bei beiden einen Leishmaniose-Schnelltest. Ich war sogar froh, dass wir Mia direkt mit testen ließen. So hatte ich zumindest die Gewissheit, dass beide denselben Stand hatten.
Während wir auf die Ergebnisse warteten, passierte draußen allerdings etwas völlig Unerwartetes.
Plötzlich hörte man überall Alarmanlagen von den Häusern.
Eine nach der anderen.
Zuerst dachte ich an einen Einbruch oder irgendeinen technischen Defekt. Wenige Minuten später wurde jedoch klar, dass deutlich mehr dahintersteckte. Der große Stromausfall, der damals weite Teile Portugals und Spaniens lahmlegte, hatte begonnen.
Der Tierarzt kam kurz zu uns und erklärte, dass sie im Gebäude nur noch mit Notstrom arbeiteten. Ob es für uns in Ordnung wäre, die Untersuchung draußen fortzusetzen. Natürlich war das überhaupt kein Problem.
Also warteten wir weiter.
Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sich unser Leben in den nächsten Minuten komplett verändern würde.
„Maya ist positiv.“

Wir warteten draußen vor der Praxis, während im Hintergrund immer wieder Alarmanlagen losgingen und Menschen versuchten herauszufinden, was gerade überhaupt passiert war. Ehrlich gesagt bekam ich davon gar nicht mehr viel mit. Meine Gedanken waren die ganze Zeit bei Mia und Maya.
Nach einiger Zeit kam der Tierarzt wieder auf uns zu.
Bis heute erinnere ich mich weniger an seine Worte als an seinen Gesichtsausdruck. Noch bevor er überhaupt etwas sagte, hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.
„Mia ist negativ.“
Für einen kurzen Moment fiel eine riesige Last von mir ab.
Dann folgte der zweite Satz.
„Maya ist positiv.“

Ich weiß noch genau, wie ich ihn in diesem Moment einfach nur angeschaut habe. Ehrlich gesagt konnte ich mit der Diagnose zunächst gar nicht so viel anfangen. Natürlich hatte ich den Begriff Leishmaniose schon einmal gehört. Wer mit seinem Hund in südliche Länder reist, beschäftigt sich früher oder später automatisch mit Sandmücken und Mittelmeerkrankheiten. Aber mehr als den Namen kannte ich damals nicht.
Mir war überhaupt nicht bewusst, welche Auswirkungen diese Krankheit auf unser gemeinsames Leben haben würde.
Der Schnelltest war zunächst nur der erste Schritt. Um wirklich sicherzugehen und gleichzeitig den aktuellen Gesundheitszustand beurteilen zu können, wurde Maya direkt Blut abgenommen. Zusätzlich sollte ein großes Blutbild erstellt werden, um unter anderem ihre Organwerte zu kontrollieren. Außerdem benötigte die Praxis noch eine Urinprobe.
Zum Glück mussten wir dafür kein zweites Mal wiederkommen.
Kaum waren wir wieder auf dem Parkplatz, machte Maya ihr Geschäft und ich stand mit einer kleinen Schale daneben, um möglichst etwas Urin aufzufangen. Rückblickend musste ich über diese Situation schon schmunzeln. In diesem Moment war ich allerdings einfach nur froh, dass wir alles direkt erledigen konnten und nicht noch einmal ca. 45 min fahren mussten.
Mit einem positiven Schnelltest und vielen offenen Fragen machten wir uns anschließend wieder auf den Weg zurück ins Tierheim.
Zwischen Diagnose und Ausnahmezustand
Eigentlich hätte ich jetzt am liebsten sofort verstanden, was diese Diagnose überhaupt bedeutet. Ich wollte recherchieren, mit jemandem sprechen oder einfach wissen, was jetzt auf uns zukommt. Stattdessen wurde die Welt um uns herum immer chaotischer.
Wir hatten ja den großen Stromausfall. Die Tankstellen waren geschlossen, viele Geschäfte schlossen ihre Türen und überall wurde darüber gesprochen, was gerade passiert war. Niemand wusste, wie lange der Strom ausfallen würde oder wie groß das Ganze überhaupt war.
Bevor wir zurück ins Tierheim fuhren, hielten wir noch kurz bei einem Lidl. Wir brauchten ohnehin noch ein paar Dinge und wollten vor allem Trinkwasser mitnehmen. Im Tierheim lebten rund 40 Hunde, die natürlich ebenfalls versorgt werden mussten.
Schon beim Betreten des Supermarktes merkte man, dass etwas anders war. Die Kassen liefen nur noch über Notstrom, viele Regale wurden langsam leer und überall standen Menschen mit 5-Liter-Kanistern Wasser in den Einkaufswagen. In Portugal ist Leitungswasser, regional unterschiedlich, kein Trinkwasser. Viele Menschen kaufen deshalb ohnehin Trinkwasser im Supermarkt. Als plötzlich niemand wusste, wie lange der Stromausfall dauern würde, wollten sich natürlich alle noch schnell eindecken.
Als ein Mitarbeiter eine Palette Wasser in den Markt schob, dauerte es keine zwei Sekunden, bis sich eine Menschentraube darum bildete. Jeder versuchte noch ein paar Kanister zu bekommen. Rückblickend war das schon ein verrücktes Bild. In diesem Moment habe ich das aber kaum wahrgenommen. Körperlich stand ich zwar mitten im Supermarkt, gedanklich war ich die ganze Zeit bei Maya.
Während sich alle über den Stromausfall unterhielten, kreiste bei mir nur eine einzige Frage im Kopf:
Was bedeutet diese Diagnose jetzt eigentlich für meinen kleinen Hund?
Zum Glück funktionierte das WLAN im Lidl noch für kurze Zeit. Ich versuchte sofort, erste Informationen zu finden. Viel weiter kam ich allerdings nicht. Überall ging es fast ausschließlich um den Stromausfall und ich wusste ehrlich gesagt auch gar nicht, wonach ich überhaupt suchen sollte. Leishmaniose hatte ich zwar schon einmal gehört, aber mehr eben auch nicht.
Zurück im Tierheim
Zurück im Tierheim sprach sich die Diagnose natürlich schnell herum. Jeder wollte helfen. Jeder kannte jemanden, dessen Hund ebenfalls Leishmaniose hatte. Und jeder hatte einen Rat.
"Viele Hunde leben damit ein ganz normales Leben."
"Wenn sie gut eingestellt ist, kann sie trotzdem alt werden."
"Mach dich jetzt erst einmal nicht verrückt."
Heute weiß ich, dass all diese Menschen mir einfach Mut machen wollten. Damals kam davon allerdings nur wenig bei mir an. Während alle versuchten, mich zu beruhigen, kreiste in meinem Kopf immer wieder derselbe Gedanke:

Warum ausgerechnet Maya?
Die nächsten Tage verbrachten wir weiterhin im Tierheim. Im Nachhinein war das wahrscheinlich sogar gut so. Ich war von Menschen umgeben, die täglich mit Hunden arbeiteten und immer wieder nach Maya schauten. Gleichzeitig konnten wir trotz aller Sorgen wenigstens noch etwas zurückgeben und die vielen Hunde vor Ort versorgen. Für ein paar Minuten lenkte mich das manchmal sogar ab.
Aber eben nur für ein paar Minuten.
Sobald ich wieder alleine war, waren die Gedanken sofort zurück.
Die Nacht, in der ich mir selbst die Schuld gab
In dieser Nacht konnte ich kaum schlafen. Nicht wegen des Stromausfalls oder weil das Internet kaum funktionierte. Es waren die Gedanken, die mich einfach nicht mehr losließen.
Langsam wurde mir bewusst, dass Leishmaniose keine Krankheit ist, die man einfach ein paar Tage behandelt und danach wieder vergisst. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr Vorwürfe machte ich mir.
Hätte ich früher reagieren müssen?
Hätte ich die kleinen Pusteln ernster nehmen sollen?
Warum habe ich sie überhaupt mit auf diese Reise genommen?
Portugal war mein Traum gewesen. Ich wollten surfen lernen, den Süden Europas entdecken und gleichzeitig in Tierheimen mithelfen. Pepe war unser Zuhause und Mia und Maya gehörten zu jedem einzelnen Kilometer dieser Reise. Trotzdem fragte ich mich plötzlich, ob genau dieses Leben vielleicht zu viel für sie gewesen war.
Dabei hatte ich vor unserer Abreise alles getan, was ich damals für richtig hielt. Ich hatte beide Hunde noch einmal komplett untersuchen lassen. Ich hatte mich über Mittelmeerkrankheiten informiert und war damals der Überzeugung, dass ich zusätzlichen Schutz gegen Sandmücken erst im Süden kaufen würde, weil wir Anfang des Jahres unterwegs waren und die Temperaturen zunächst noch deutlich niedriger lagen.
Heute weiß ich natürlich, dass man sich hinterher immer fragt, was man hätte besser machen können. Damals habe ich einfach nach bestem Wissen gehandelt. Trotzdem machte ich mir unendlich viele Vorwürfe.
Natürlich spielten auch die Tierarztkosten eine Rolle. Wir waren seit Monaten unterwegs und ich hatte unterwegs kein festes Einkommen. Medikamente, Spezialfutter und weitere Untersuchungen würden Geld kosten. Aber ganz ehrlich: Das war in diesem Moment völlig nebensächlich. Die einzige Frage, die mir ständig durch den Kopf ging, war, ob ich Maya verlieren könnte.
Nach den fünf Tagen in Irland hatte ich sie endlich wieder bei mir. Damals dachte ich, schlimmer könnte es eigentlich nicht mehr werden. Und jetzt saß ich mitten in Portugal und hatte das Gefühl, dass die nächste große Prüfung gerade erst begonnen hatte.
In dieser Zeit haben mir Familie und Freunde unglaublich viel Halt gegeben. Immer wieder versuchten sie, mir meine Schuldgefühle zu nehmen. Einer stellte mir irgendwann eine Frage, über die ich bis heute nachdenke:
"Was wäre denn die Alternative gewesen?"
Wäre es wirklich besser gewesen, wenn Maya nie mit auf diese Reise gekommen wäre? Wenn sie statt gemeinsamer Abenteuer weiter im Tierheim oder vielleicht sogar auf der Straße in der Türkei gelebt hätte?
Natürlich nicht.
Trotzdem brauchen Schuldgefühle keine Logik. Sie sind einfach da. Und selbst wenn einem zehn Menschen sagen, dass man keine Schuld trägt, muss man diesen Gedanken irgendwann selbst akzeptieren.


Die Blutwerte sind da
Etwa eine Woche später kam schließlich der Anruf aus der Tierarztpraxis. Die Ergebnisse aus dem Labor waren da und ich hoffte die ganze Zeit, dass sie vielleicht doch etwas Entwarnung geben würden. Der Schnelltest war zwar positiv gewesen, aber irgendwo klammerte ich mich immer noch an den Gedanken, dass die Blutwerte vielleicht besser aussehen würden als erwartet.
Leider war genau das nicht der Fall.
Die Leishmaniose hatte sich bestätigt und besonders die Nierenwerte machten dem Tierarzt große Sorgen. Mir war zwar bewusst, dass die Situation ernst war, aber ehrlich gesagt hatte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Vorstellung davon, was diese Werte eigentlich bedeuteten. Ich wusste nur, dass wir keine Zeit verlieren sollten und sofort mit der Behandlung beginnen mussten.
Der Tierarzt erklärte mir die Medikamente, schrieb die Dosierungen auf und gab mir alles mit, was Maya in den nächsten Wochen bekommen sollte. Ehrlich gesagt fühlte ich mich danach aber ziemlich allein gelassen. Viele meiner Fragen blieben offen oder wurden nur sehr knapp beantwortet. Wahrscheinlich war das für ihn Alltag – für mich war es das ganz sicher nicht.
Auf einmal hielt ich mehrere Medikamente in der Hand und sollte einen Hund behandeln, obwohl ich von dieser Krankheit bis dahin kaum etwas wusste.

Plötzlich war alles neu
Zu den Medikamenten selbst bekam ich eigentlich nur die Verpackungen mit der jeweiligen Dosierung. Viele meiner Fragen beantworteten sie allerdings nicht. Also begann ich selbst zu recherchieren.
Ich verbrachte Stunden damit, Informationen zu sammeln, medizinische Fachbegriffe zu verstehen und Erfahrungsberichte anderer Hundebesitzer zu lesen. Dabei merkte ich schnell, dass es unglaublich viele unterschiedliche Meinungen gab. Manche Beiträge waren schon viele Jahre alt, andere widersprachen sich komplett. Jeder schien etwas anderes zu empfehlen.
Zusätzlich nutzte ich ChatGPT, um mir medizinische Begriffe und Zusammenhänge verständlicher erklären zu lassen. Mir war aber von Anfang an wichtig, Entscheidungen nicht allein auf Basis meiner Recherche zu treffen. Deshalb entwickelte ich aus allen Informationen einen Medikamentenplan und schickte ihn anschließend meinem Tierarzt zur Kontrolle. Erst nachdem er mir bestätigte, dass alles so passt, begann für uns dieser neue Alltag.
Das gab mir zumindest ein kleines Stück Sicherheit.
Unser Alltag bestand plötzlich aus Medikamenten
Ab diesem Moment drehte sich unser kompletter Tagesablauf um Maya.

Mehrere Wecker erinnerten mich daran, wann welches Medikament an der Reihe war. Morgens begann der erste Tag oft schon gegen sechs Uhr. Danach folgten je nach Medikament weitere Erinnerungen im Abstand von einer halben oder ganzen Stunde.
Zwischendurch versuchte ich immer wieder, Maya zum Fressen zu motivieren, achtete darauf, dass sie genügend trank und beobachtete jede noch so kleine Veränderung. Wahrscheinlich kennt jeder Hundebesitzer dieses Gefühl. Plötzlich freut man sich über Dinge, die vorher völlig selbstverständlich waren. Eine gut gefressene Mahlzeit. Ein ruhiger Nachmittag. Oder einfach darüber, dass der Hund morgens schwanzwedelnd aufsteht.
Die eigentliche Reise rückte in dieser Zeit komplett in den Hintergrund.
Eigentlich wollten wir Portugal weiter entdecken, surfen lernen und anschließend nach Spanien fahren, um dort ebenfalls ein Tierheim zu unterstützen. Stattdessen bestimmten Medikamentenzeiten unseren Alltag.


Das schwierigste Medikament
Besonders ein Medikament machte mir große Sorgen.
Milteforan sollte Maya über 30 Tage hinweg bekommen und spielte eine wichtige Rolle bei ihrer Behandlung. Gleichzeitig las ich während meiner Recherche immer wieder, dass der Wirkstoff möglichst nicht mit Schleimhäuten in Kontakt kommen sollte.
Der Tierarzt hatte mir empfohlen, das Medikament einfach unter das Futter zu mischen. Für viele Hunde funktioniert das sicherlich problemlos.
Für Maya leider überhaupt nicht.
Je länger die Behandlung dauerte, desto schlechter wurde ihr Appetit. Während sie früher fast alles gefressen hatte, musste ich plötzlich um jede Mahlzeit kämpfen. Mal fraß sie nur einen Teil ihres Futters, mal ließ sie den Napf komplett stehen.
Genau das machte mir große Sorgen.
Ich wollte auf keinen Fall riskieren, dass sie das Medikament nur teilweise aufnahm oder einzelne Dosen ausfielen. Also begann ich nach einer Lösung zu suchen.
Noch während wir in Portugal waren, fragte ich in Tierarztpraxen, Kliniken und Apotheken nach leeren Gelatinekapseln. Meine Idee war, das Medikament darin zu verschließen, damit es möglichst erst im Magen freigesetzt wird.
Leider konnte mir zunächst niemand helfen.

Ernährung wurde plötzlich zum Hauptthema
Parallel dazu begann ich mich intensiv mit ihrer Ernährung zu beschäftigen. Zwar hatte ich schon vorher regelmäßig für Mia und Maya gekocht, jetzt musste ich aber komplett umdenken. Plötzlich ging es um purinarme Lebensmittel, spezielles Nierenfutter und die Frage, wie ich ihren Körper zusätzlich unterstützen konnte.
Ich schrieb Listen mit geeigneten Lebensmitteln, verglich Futtersorten und versuchte jeden Tag aufs Neue, ihr etwas anzubieten, das sie auch wirklich fraß.
Rückblickend war das wahrscheinlich der Moment, in dem ich aufgehört habe, einfach nur Hundebesitzer zu sein.
Ich wurde Pfleger.
Ohne es bewusst zu merken, drehte sich plötzlich mein kompletter Alltag nur noch um Maya.
Rückblickend war diese Zeit wahrscheinlich die größte Herausforderung,
die Maya und ich bis dahin gemeinsam erlebt hatten.
Innerhalb weniger Wochen hatte sich unser kompletter Alltag verändert. Aus einer Reise, auf die wir uns so lange gefreut hatten, wurden plötzlich Medikamentenpläne, Tierarzttermine und die ständige Hoffnung, dass die Behandlung anschlägt.
Vor allem habe ich in dieser Zeit gemerkt, wie schnell man beginnt, sich selbst Vorwürfe zu machen. Man fragt sich ständig, ob man etwas übersehen hat oder ob man seinen Hund besser hätte schützen können. Heute weiß ich, dass diese Gedanken wahrscheinlich fast jeder Hundebesitzer hat. Trotzdem fühlen sie sich in diesem Moment unglaublich schwer an.
Vielleicht liest du diesen Artikel gerade, weil dein Hund ebenfalls die Diagnose Leishmaniose bekommen hat. Falls das so ist, möchte ich dir vor allem eines mitgeben: Du musst nicht heute schon auf alles eine Antwort haben. Such dir einen Tierarzt, dem du vertraust, informiere dich Schritt für Schritt und gib dir selbst die Zeit, die Diagnose erst einmal zu verarbeiten.
Genau das musste ich damals auch lernen.
Für uns begann mit diesem Tag erst der eigentliche Kampf.
Die Diagnose war nicht das Ende der Geschichte.
Sie war erst der Anfang.

❤️ Was ich aus dieser Geschichte gelernt habe
Es gibt Situationen im Leben, die kann man nicht kontrollieren.
Aber man kann entscheiden, wie man mit ihnen umgeht.
Ich konnte die Diagnose nicht rückgängig machen.
Aber ich konnte jeden einzelnen Tag alles dafür tun, Maya bestmöglich zu helfen.
Und genau das habe ich versucht.
Jeden einzelnen Tag.
Warum ich diese Geschichte erzähle
Ich habe lange überlegt, ob ich unsere Geschichte überhaupt erzählen soll.
Nicht nur, weil viele Erinnerungen daran bis heute wehtun. Sondern auch, weil ich mich lange gefragt habe, ob ich vielleicht Fehler gemacht habe. Ob ich Maya besser hätte schützen können. Ob ich früher hätte reagieren müssen. Diese Schuldgefühle haben mich sehr lange begleitet und ehrlich gesagt kommen sie manchmal auch heute noch wieder.
Mittlerweile sehe ich das etwas anders.
Vielleicht habe ich Entscheidungen getroffen, die ich mit meinem heutigen Wissen anders treffen würde. Vielleicht aber auch nicht. Genau deshalb möchte ich unsere Geschichte teilen. Nicht, weil ich den perfekten Weg gegangen bin, sondern weil andere vielleicht aus unseren Erfahrungen etwas für sich mitnehmen können.
Während der gesamten Reise haben mich unzählige Menschen begleitet. Tierärzte, Menschen aus Tierheimen, andere Hundebesitzer und Reisende, die selbst Erfahrungen mit Leishmaniose gemacht hatten. Jeder hatte andere Tipps, andere Erfahrungen und manchmal auch völlig unterschiedliche Meinungen. Für vieles davon bin ich bis heute unglaublich dankbar.
Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass es selten nur den einen richtigen Weg gibt.
Natürlich gibt es medizinische Empfehlungen und Leitlinien, an denen man sich orientieren sollte. Trotzdem kommt irgendwann der Punkt, an dem man selbst Entscheidungen treffen muss. Gerade auf Reisen sieht die Realität oft anders aus als in einem Lehrbuch. Man fragt sich, ob man die Reise abbrechen sollte, ob der Hund vor Ort vielleicht sogar besser versorgt ist oder ob man ihm mit einer Heimreise wirklich einen Gefallen tun würde.
Auch ich stand genau vor dieser Entscheidung.
Sollten wir alles abbrechen und zurück nach Deutschland fahren? Oder sollten wir dort bleiben, wo wir gerade waren?
Nach vielen Gesprächen und reiflicher Überlegung habe ich mich bewusst dafür entschieden, unsere Reise nicht abzubrechen. Nicht, weil mir das Reisen wichtiger war als Maya – sondern genau aus dem Gegenteil heraus.
In Portugal und später auch in Spanien gehört Leishmaniose zum tierärztlichen Alltag. Die Tierärzte haben deutlich häufiger mit dieser Erkrankung zu tun, die diagnostischen Möglichkeiten waren gut und ich hatte das Gefühl, dass Maya dort genau die Behandlung bekommen konnte, die sie in diesem Moment brauchte. Gleichzeitig hätte ich in Deutschland weder eine Wohnung noch einen festen Alltag gehabt. Ich wäre vermutlich genauso hilflos gewesen – nur zusätzlich frustriert. Und ich bin überzeugt, dass Maya das gespürt hätte.
Also haben wir unsere Reise fortgesetzt. Allerdings nicht mehr so, wie sie ursprünglich geplant war.
Von diesem Moment an richtete sich alles nach Maya. Unsere Route, unsere Tagesplanung und jede Entscheidung orientierten sich nur noch an einer Frage:
Was ist heute das Beste für meinen Hund?
Genau darum geht es in dieser Artikelserie.
Ich möchte niemandem sagen, wie er handeln muss. Ich möchte niemanden belehren und schon gar keine tierärztliche Beratung ersetzen.
Ich möchte einfach unsere Geschichte erzählen – mit allen Höhen, Tiefen, Fehlern, Zweifeln und Entscheidungen. Wenn sie dir dabei hilft, deinen eigenen Weg etwas sicherer zu gehen, dann hat dieser Artikel genau seinen Zweck erfüllt.
Danksagung
Zum Schluss möchte ich einfach einmal Danke sagen.
An alle Menschen, die Maya und mich auf diesem Weg begleitet haben – ganz egal, in welchem Land wir uns gerade befanden, zu welchem Zeitpunkt sich unsere Wege gekreuzt haben oder auf welche Art ihr uns unterstützt habt.
Jedes Gespräch, jeder Rat, jede aufmunternde Nachricht, jede Empfehlung und jede helfende Hand hat dazu beigetragen, dass wir diesen Weg nicht alleine gehen mussten. Nicht jede Information war für mich sofort beruhigend oder leicht zu verarbeiten. Manche Entscheidungen musste ich am Ende selbst treffen. Trotzdem war jeder einzelne Austausch ein Teil unserer Geschichte.
Heute geht es Maya wieder deutlich besser. Dass wir heute dort stehen, wo wir stehen, verdanken wir nicht nur den Tierärzten, sondern auch den vielen Menschen, die uns unterwegs begleitet, unterstützt und Mut gemacht haben.
Von Herzen: Danke. ❤️
Ohne euch wäre dieser Weg mit Sicherheit ein anderer gewesen.
Teil 2 – Als ich fast dachte, Maya zu verlieren


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Schau, was zu deinem Hund, deinem Fahrzeug und eurem Reisealltag passt. Vieles kann man gebraucht kaufen, manches selbst bauen und bei einigen Dingen lohnt es sich, bewusst in eine zuverlässige Lösung zu investieren.
Quellen und weiterführende Informationen
Die medizinischen Informationen in dieser Artikelserie basieren auf offiziellen Leitlinien, wissenschaftlichen Veröffentlichungen und den Empfehlungen der behandelnden Tierärzte und/ oder Menschen die uns auf dieser Reise begleitet haben, gleichzeitig fließen unsere persönlichen Erfahrungen mit ein. Die Artikel ersetzen keine tierärztliche Beratung, sondern sollen Betroffenen Orientierung geben und unsere Erfahrungen teilen.
Für die medizinischen und fachlichen Inhalte dieser Artikelserie habe ich unter anderem folgende Quellen und Leitlinien genutzt:
LeishVet – Guidelines for the Practical Management of Canine Leishmaniosis LeishVet Guidelines
LeishVet – Directions for Diagnosis, Clinical Staging, Treatment and Prevention of Canine Leishmaniosis LeishVet – Diagnosis, Staging & Treatment
ESCCAP Deutschland – Empfehlung zur Bekämpfung von durch Vektoren übertragenen Krankheiten bei Hunden und Katzen ESCCAP Deutschland – VBD-Empfehlung
ESCCAP – Guideline GL5: Control of Vector-Borne Diseases in Dogs and Cats ESCCAP GL5 Guideline
Empfehlungen und Behandlungen der betreuenden Tierärzte
Eigene Laborbefunde, Blutwerte und tierärztliche Unterlagen von Maya
Eigene Erfahrungen während der mehrmonatigen Behandlung auf Reisen
