
Tierschutz an der Algarve: Meine Erfahrungen im Tierheim Mayday Algarve in Portugal
Was dich in diesem Beitrag erwartet
Manche Reisen verändern nicht nur die Orte, die man besucht, sondern auch die eigene Sicht auf die Welt.
In diesem Beitrag nehme ich dich mit zu Mayday Algarve, einem Tierschutzprojekt an der portugiesischen Algarve, das mich nachhaltig geprägt hat. Du erfährst, warum ich lange Angst davor hatte, aktiv im Tierschutz mitzuarbeiten, wie meine Hunde Mia und Maya diesen Weg überhaupt erst möglich gemacht haben und weshalb ein Tierheim für mich heute etwas völlig anderes bedeutet als noch vor wenigen Jahren.
Gemeinsam werfen wir einen Blick hinter die Kulissen des Shelter-Alltags, lernen einige der Hunde kennen, begleiten bewegende Momente wie den Abschied von Luna und erleben, wie aus vielen kleinen Handgriffen echte Veränderungen entstehen können. Dabei geht es nicht nur um Tierschutz in Portugal, sondern auch um Hoffnung, Zusammenhalt, ehrenamtliches Engagement und die Frage, wie jeder Einzelne von uns etwas bewegen kann.
Dies ist die Geschichte einer Reise voller wedelnder Schwänze, schmutziger Arbeitshandschuhe, großer Emotionen und Menschen, die jeden Tag ihr Bestes geben, um Hunden eine zweite Chance zu ermöglichen.
Vielleicht verändert sie auch deinen Blick auf Tierheime ein kleines Stück.

Inhaltsverzeichnis
Ein Ort, der mein Herz verändert hat
Warum ich eigentlich Angst vor dem Tierschutz hatte
Willkommen bei Mayday Algarve – ein Ort voller Herz
Vierzig Hunde, vierzig Geschichten
Luna – ein Abschied, den ich nie vergessen werde
Aus kleinen Ideen werden echte Veränderungen
Was ich vom Tierschutz gelernt habe
Ein Ort, der mein Herz verändert hat

Es gibt Orte, die besucht man.
Und es gibt Orte, die bleiben.
Mayday Algarve gehört für mich zur zweiten Kategorie.
Als ich mit Pepe die letzten Kilometer durch die hügelige Landschaft der Algarve fuhr, wusste ich nicht, dass mich dieser Ort noch lange nach meiner Abreise begleiten würde. Die Straßen wurden schmaler, der Verkehr verschwand und die Geräusche der Zivilisation wurden immer leiser. Stattdessen begleiteten mich die portugiesische Frühlingssonne, der Duft trockener Erde und das ferne Rauschen des Atlantiks.
Mitten im Naturpark Costa Vicentina, einer der schönsten Regionen Portugals, liegt Mayday Algarve. Von außen wirkt alles unscheinbar. Keine großen Schilder. Keine modernen Gebäude. Keine perfekte Kulisse für Social Media.
Und doch versteckte sich hier etwas, das deutlich wertvoller war.
Hoffnung.
Für Menschen.
Vor allem aber für Hunde.
Noch bevor ich den Motor abgestellt hatte, hörte ich die ersten Bellgeräusche. Erst einzelne Stimmen. Dann immer mehr. Als würden die Hunde bereits wissen, dass ein neuer Besucher angekommen war.
Mia und Maya konnten es kaum erwarten. Kaum war die Schiebetür geöffnet, verschwanden beide neugierig zwischen den Bäumen und Wegen des Geländes. Für sie war es ein neues Abenteuer. Für mich fühlte es sich eher an wie der Beginn einer Reise, von der ich noch nicht wusste, wie sehr sie mich verändern würde.
Die ersten Helfer begrüßten mich herzlich. Sofort spürte ich etwas, das ich später in vielen Tierschutzprojekten wiederfinden sollte. Diese besondere Mischung aus Erschöpfung und Lebensfreude. Die Menschen hier arbeiteten unglaublich hart. Viele von ihnen investierten einen großen Teil ihrer Freizeit, manche sogar ihr gesamtes Leben, um den Hunden eine zweite Chance zu geben.
Während wir über das Gelände liefen, begegneten uns neugierige Nasen, wedelnde Schwänze und vorsichtige Blicke hinter den Zäunen. Jeder Hund hatte seine eigene Geschichte. Einige suchten sofort Kontakt. Andere beobachteten lieber aus sicherer Entfernung. Doch eines hatten sie alle gemeinsam: Sie waren hier, weil irgendwo auf ihrem Weg Menschen versagt hatten.
Und trotzdem vertrauten viele von ihnen erneut.
Vielleicht war genau das der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass Tierheime nicht nur Orte voller trauriger Geschichten sind.
Sie sind Orte voller Hoffnung.
Denn hinter jedem geretteten Hund steckt nicht nur Vergangenheit.
Sondern auch Zukunft.
Damals wusste ich noch nicht, welche Geschichten ich hier erleben würde. Ich wusste nicht, dass ich lachen, weinen, arbeiten, hoffen und manchmal auch trauern würde.
Ich wusste nur eines:
Dieser Ort würde mich nicht mehr loslassen.
Warum ich eigentlich Angst vor dem Tierschutz hatte
Wenn ich heute von Tierheimen, Tierschutzprojekten oder meinen Reisen zu verschiedenen Sheltern in Europa erzähle, denken viele Menschen vermutlich, dass ich schon immer eng mit dem Tierschutz verbunden war. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus.
Lange Zeit hatte ich großen Respekt vor dem Gedanken, aktiv in einem Tierheim mitzuarbeiten. Genauer gesagt hatte ich Angst. Nicht vor den Hunden, sondern vor dem, was ihre Geschichten mit mir machen könnten. Ich wusste natürlich, dass es unzählige Tiere gibt, die ausgesetzt, misshandelt oder vernachlässigt werden. Man liest Berichte, sieht Bilder und spendet vielleicht hier und da etwas Geld. Doch zwischen dem Wissen, dass es Leid gibt, und dem tatsächlichen Erleben liegen Welten.
Deshalb hielt ich den Tierschutz viele Jahre auf Abstand. Wenn ich helfen wollte, spendete ich. Wenn ein Projekt Unterstützung benötigte, versuchte ich, einen kleinen Beitrag zu leisten. Das fühlte sich richtig an, gleichzeitig blieb aber immer eine gewisse Distanz bestehen. Vielleicht war es eine Art Selbstschutz. Solange ich nicht vor Ort war, musste ich mich den Geschichten hinter den Narben nicht stellen.
Erst mit Mia begann sich mein Blick langsam zu verändern. Durch sie wurde mir bewusst, wie viel Arbeit, Geduld und Liebe hinter jedem einzelnen geretteten Hund steckt. Später kam Maya dazu und mit ihr die Erkenntnis, dass Vertrauen oft etwas unglaublich Zerbrechliches ist. Beide Hunde haben mich auf ihre eigene Weise gelehrt, genauer hinzuschauen und nicht vorschnell zu urteilen. Sie haben mir gezeigt, wie viel Stärke in Tieren steckt, die eigentlich allen Grund hätten, Menschen zu misstrauen.
Der eigentliche Wendepunkt kam jedoch während meiner Reise durch Irland. Dort verschwand Maya plötzlich und blieb fünf lange Tage verschwunden. Wer selbst einen Hund hat, kann sich vielleicht vorstellen, was diese Tage für mich bedeuteten. Zwischen Hoffnung und Verzweiflung lagen oft nur wenige Minuten. Immer wieder stellte ich mir dieselbe Frage: Würde ich sie jemals wiedersehen?
In dieser schwierigen Zeit lernte ich die Menschen von A.S.H. Rescue kennen. Obwohl sie mich nicht kannten, halfen sie sofort. Sie investierten Zeit, Energie und unzählige Stunden, um bei der Suche zu unterstützen. Für sie war es selbstverständlich zu helfen. Für mich war es alles andere als selbstverständlich. Zum ersten Mal erlebte ich hautnah, was Tierschutz wirklich bedeutet.
Nachdem Maya gefunden worden war, blieb ein Gefühl zurück, das mich bis heute begleitet: Dankbarkeit. Ich wollte etwas zurückgeben. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Also begann ich, selbst mit anzupacken. Anfangs mit Unsicherheit, später mit immer mehr Überzeugung.
Dabei machte ich eine Erfahrung, die meine Sicht auf Tierheime grundlegend veränderte. Natürlich gibt es dort Leid. Natürlich gibt es Geschichten, die traurig machen und manchmal auch sprachlos zurücklassen. Gleichzeitig gibt es aber etwas anderes, das oft viel zu selten erwähnt wird. Es gibt Hoffnung. Es gibt Menschen, die jeden Tag weitermachen, obwohl die Arbeit niemals endet. Es gibt Hunde, die nach allem, was sie erlebt haben, wieder lernen zu vertrauen. Und es gibt unzählige kleine Momente, die zeigen, warum sich jede investierte Minute lohnt.
Genau diese Erkenntnis begleitete mich, als ich Monate später nach Portugal aufbrach. Damals ahnte ich noch nicht, wie sehr mich Mayday Algarve prägen würde. Doch rückblickend begann die Geschichte dieses Aufenthalts nicht in Portugal, sondern bereits in Irland – in dem Moment, als ich verstanden hatte, dass Tierschutz nicht nur aus traurigen Geschichten besteht, sondern vor allem aus Menschen, die nicht wegschauen.
Willkommen bei Mayday Algarve – ein Ort voller Herz

Schon in den ersten Stunden bei Mayday Algarve wurde mir klar, dass dieser Ort anders war als vieles, was ich bisher erlebt hatte.
Von außen betrachtet ist es einfach ein Tierheim an der Algarve. Keine modernen Gebäude, keine perfekte Anlage und keine Hochglanzkulisse. Stattdessen Schotterwege, Gehege, Hundehütten und Menschen, die jeden Tag versuchen, mit den vorhandenen Mitteln das Beste für die Tiere zu schaffen.
Überall auf dem Gelände herrschte Bewegung. Während einige Helfer Gehege reinigten, wurden an anderer Stelle Näpfe gefüllt, Medikamente verteilt oder Hunde versorgt. Die Arbeit schien niemals wirklich zu enden. Trotzdem begegnete mir überall eine besondere Ruhe. Niemand arbeitete hier für Anerkennung oder Geld. Alle waren aus demselben Grund da: wegen der Hunde.
Im Shelter lebten damals rund vierzig Hunde. Vierzig Hunde mit völlig unterschiedlichen Geschichten. Einige waren von der Straße gerettet worden, andere aus schwierigen Haltungsbedingungen gekommen. Manche suchten sofort die Nähe zum Menschen, während andere lieber aus sicherer Entfernung beobachteten.
Je mehr Zeit ich dort verbrachte, desto weniger sah ich einfach nur Hunde in einem Tierheim. Stattdessen lernte ich einzelne Persönlichkeiten kennen. Hunde mit Eigenheiten, Vorlieben, Ängsten und ganz unterschiedlichen Charakteren. Schnell ertappte ich mich dabei, morgens nach bestimmten Vierbeinern Ausschau zu halten oder mich über kleine Fortschritte zu freuen, die Außenstehenden vermutlich gar nicht aufgefallen wären.
Besonders beeindruckt haben mich die Menschen vor Ort. Viele investierten einen großen Teil ihrer Freizeit in die Tiere, manche sogar seit vielen Jahren. Trotz aller Herausforderungen spürte man in jedem Gespräch und bei jeder Aufgabe, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt.
Vielleicht war genau das der Grund, warum sich Mayday Algarve für mich nie wie ein klassisches Tierheim angefühlt hat. Es war ein Zufluchtsort. Ein Ort für Hunde, die sonst niemanden mehr hatten, und für Menschen, die sich entschieden hatten, nicht wegzuschauen.
Damals wusste ich noch nicht, welche Geschichten ich dort erleben würde. Aber schon nach wenigen Tagen wurde mir bewusst, dass hinter jedem Zaun ein eigenes Schicksal wartete – und dass einige dieser Geschichten mich noch lange nach meiner Abreise begleiten würden.

Vierzig Hunde, vierzig Geschichten
Je länger ich bei Mayday Algarve blieb, desto mehr wurde mir bewusst, dass man ein Tierheim eigentlich nie wirklich kennenlernen kann. Selbst wenn man jeden Tag dort verbringt, sieht man immer nur einen kleinen Teil dessen, was die Hunde bereits erlebt haben.
Jeder einzelne von ihnen brachte seine eigene Geschichte mit. Manche Geschichten kannte man. Andere konnte man nur erahnen.
Da waren Hunde, die sofort auf Menschen zugingen und jede Streicheleinheit genossen, als wollten sie verlorene Jahre nachholen. Andere beobachteten lieber aus sicherer Entfernung und brauchten Zeit, um Vertrauen zu fassen. Einige schienen immer gute Laune zu haben und begrüßten jeden Besucher voller Begeisterung. Andere trugen ihre Vergangenheit noch sichtbar mit sich herum.

Gerade diese Unterschiede haben mich beeindruckt. Obwohl viele Hunde schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hatten, war da oft immer noch dieser Wunsch nach Nähe. Dieses kleine Stück Hoffnung, dass der nächste Mensch vielleicht anders sein könnte.
Mit jedem Tag begann ich die Hunde besser kennenzulernen. Ich wusste irgendwann, wer morgens als Erstes am Zaun stand, wer besonders gerne kuschelte und wer lieber beobachtete, bevor er Kontakt zuließ. Aus vierzig Hunden wurden nach und nach vierzig Persönlichkeiten.
Dabei waren es oft die kleinen Momente, die mich berührten. Ein vorsichtiges Schwanzwedeln. Ein Hund, der sich zum ersten Mal anfassen ließ. Ein Blick voller Vertrauen. Dinge, die für viele Menschen selbstverständlich erscheinen, für manche Hunde aber einen riesigen Schritt bedeuteten.
Genau diese Momente haben meinen Blick auf den Tierschutz verändert. Denn plötzlich geht es nicht mehr darum, wie viele Hunde in einem Shelter leben oder wie groß die Herausforderungen sind. Es geht um einzelne Leben. Um Individuen mit ihrer eigenen Geschichte, ihren Ängsten und ihrer Hoffnung auf einen Neuanfang.
Einige dieser Hunde werde ich wahrscheinlich nie vergessen.
Nicht wegen ihrer Vergangenheit.
Sondern wegen ihrer unglaublichen Fähigkeit, trotz allem weiter Vertrauen zu schenken.
Und genau einer dieser Hunde sollte mich in den folgenden Tagen besonders berühren – auf eine Weise, die ich niemals erwartet hätte.
Luna – ein Abschied, den ich nie vergessen werde
Es gibt Begegnungen, die begleiten einen weit über die eigentliche Reise hinaus. Nicht, weil sie besonders lange dauern, sondern weil sie etwas in einem verändern.
Luna war so eine Begegnung.
Als ich nach Mayday Algarve kam, war sie bereits Teil des Shelters. Wie viele andere Hunde dort hatte auch sie ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Erfahrungen und ihren ganz eigenen Charakter. Sie gehörte zu den Hunden, die einfach da waren. Die man jeden Tag sah. Die selbstverständlich zum Alltag gehörten. Und vielleicht sind es genau diese Hunde, bei denen man oft vergisst, wie zerbrechlich alles sein kann.
An einem Tag änderte sich plötzlich alles.
Luna erlitt einen schweren epileptischen Anfall. Innerhalb weniger Augenblicke war aus einem normalen Tag eine Situation geworden, in der jeder versuchte zu helfen. Die Stimmung veränderte sich schlagartig. Wo kurz zuvor noch Alltag gewesen war, herrschten plötzlich Sorge, Unsicherheit und Hoffnung zugleich.
Wir taten alles, was in diesem Moment möglich war.
Doch manchmal gibt es Situationen, in denen selbst die größte Anstrengung nicht ausreicht.
Manchmal schreibt das Leben seine eigenen Regeln.

Ich erinnere mich noch heute an die Stille, die plötzlich über allem lag. An die hilflosen Blicke. An dieses Gefühl, dass man unbedingt etwas tun möchte und gleichzeitig merkt, dass einem die Kontrolle längst entglitten ist.
Luna ging an diesem Tag über die Regenbogenbrücke.
Und ich durfte in ihren letzten Momenten bei ihr sein.
Bis heute fällt es mir schwer, die richtigen Worte dafür zu finden. Wer selbst schon einmal ein Tier verloren hat, kennt vielleicht dieses Gefühl. Die Zeit scheint für einen Augenblick stillzustehen. Alles um einen herum wird unwichtig. Es zählt nur noch dieser eine Moment.
Ich erinnere mich an ihre Augen.
An ihre Ruhe.
Und daran, wie unglaublich zerbrechlich Leben sein kann.
Natürlich war ich traurig. Sehr traurig sogar. Obwohl ich Luna nur für kurze Zeit begleiten durfte, hinterließ sie eine Lücke. Vielleicht gerade deshalb, weil ihr Abschied so plötzlich kam.
Gleichzeitig hat mir dieser Moment etwas gezeigt, das ich bis heute mitnehme.
Tierschutz besteht nicht nur aus Happy Ends.
Nicht jede Geschichte endet mit einer Adoption. Nicht jeder Hund bekommt die Zukunft, die man ihm von Herzen gewünscht hätte.
Manchmal bedeutet Tierschutz auch, einem Tier in seinen letzten Stunden Liebe, Sicherheit und Nähe zu schenken.
Vielleicht war genau das die wichtigste Lektion, die Luna mir hinterlassen hat.
Denn auch wenn ihre Geschichte nicht so endete, wie wir es uns gewünscht hätten, musste sie ihre letzten Momente nicht alleine verbringen.
Und dafür bin ich bis heute dankbar.
Danke, Luna.
Ich hoffe, dort, wo du jetzt bist, gibt es grüne Wiesen, warme Sonnenstrahlen und unendlich viele Leckerlis.
Und vielleicht rennst du heute endlich frei – ohne Schmerzen, ohne Angst und ohne Grenzen.
Aus kleinen Ideen werden echte Veränderungen
Je länger ich Teil dieses Alltags wurde, desto häufiger fiel mein Blick auf Dinge, die für Besucher oft unsichtbar bleiben.
Während viele Menschen zuerst die Hunde sehen, schauen die Helfer automatisch auf etwas anderes. Sie sehen das Dach, das den nächsten Winter vielleicht nicht übersteht. Sie sehen den fehlenden Schattenplatz für den Sommer. Sie sehen den leeren Futterschrank oder die Materialecke, die langsam kleiner wird.
Mit jedem Tag begann auch ich, diese Dinge wahrzunehmen.
Eines Morgens standen wir vor mehreren Hundehütten, deren Dächer die vergangenen Winter deutlich gezeichnet hatten. Die Algarve ist zwar für Sonne und angenehme Temperaturen bekannt, doch gerade in den Wintermonaten ziehen immer wieder kräftige Stürme und starke Regenfälle über die Region. Einige Unterstände waren mittlerweile undicht geworden und boten den Hunden nicht mehr den Schutz, den sie eigentlich bieten sollten.

Also wurde aus einem normalen Sheltertag kurzerhand ein Bautag.

Gemeinsam entfernten wir beschädigte Materialien, befestigten neue Planen und versuchten, die Hütten wieder wetterfest zu machen. Natürlich waren wir keine professionelle Baufirma. Vieles entstand mit einfachen Mitteln, etwas Improvisation und dem gemeinsamen Ziel, den Hunden einen trockenen Rückzugsort zu schaffen.
Während wir arbeiteten, beobachteten uns die Hunde aufmerksam. Einige lagen entspannt in der Sonne, andere kontrollierten regelmäßig den Fortschritt der Arbeiten. Und wie so oft im Tierheim hatte man das Gefühl, dass die eigentlichen Bauherren auf vier Pfoten unterwegs waren.
Besonders schön war der Moment, als die ersten Hunde ihre reparierten Unterstände wieder bezogen. Für uns waren es einige Stunden Arbeit. Für sie bedeutete es ein sicheres und trockenes Zuhause.

Doch nicht nur Regen war ein Thema.
Mindestens genauso wichtig war der Schutz vor der portugiesischen Sonne.
Gerade in den Sommermonaten können die Temperaturen an der Algarve schnell anstrengend werden. Deshalb begannen wir zusätzlich damit, neue Schattenbereiche zu schaffen. Gemeinsam spannten wir Netze, nutzten vorhandene Materialien und bauten einfache Konstruktionen, die den Hunden zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten boten.

Schon kurze Zeit später lagen die ersten Vierbeiner entspannt unter den neuen Schattenspendern und genossen die kühleren Bereiche. Es waren keine spektakulären Projekte. Aber genau diese kleinen Verbesserungen machten den Alltag für die Hunde Stück für Stück angenehmer.
Neben den Arbeiten auf dem Gelände gehörten auch regelmäßige Einkäufe zum Alltag. Immer wieder fuhren wir in den Supermarkt oder Tierbedarfsladen, um Dinge zu besorgen, die gerade benötigt wurden. Manchmal waren es Materialien für Reparaturen. Manchmal Futter. Und manchmal einfach eine große Ladung Leckerlis.

Bis heute muss ich schmunzeln, wenn ich an die Reaktionen der Hunde denke. Kaum raschelte eine neue Tüte, schien sich die Nachricht innerhalb weniger Sekunden über das gesamte Shelter zu verbreiten. Plötzlich tauchten von allen Seiten erwartungsvolle Gesichter auf, die sehr genau wussten, was sich in meiner Hand befand.
Und natürlich gehörten auch die gemeinsamen Abende zu dieser Zeit dazu.
Nach langen Arbeitstagen wurde zusammen gekocht, gegessen und erzählt. Oft saßen wir noch lange draußen, während die Sonne langsam hinter den Hügeln der Algarve verschwand. Wir sprachen über die Hunde, über zukünftige Projekte, über Sorgen und über die kleinen Erfolge, die Außenstehende vielleicht gar nicht wahrnehmen würden.

Besonders schön war dabei ein gemeinsamer Pizzaabend für die Helfer. Dank eurer Unterstützung und der großartigen Community hinter adVANturetimewithus konnte ich nicht nur Spenden für die Hunde, Futter und benötigte Materialien finanzieren, sondern auch den Menschen etwas zurückgeben, die jeden Tag unermüdlich für die Tiere da sind.
Es war nur ein gemeinsames Abendessen. Und doch war es so viel mehr. Für ein paar Stunden standen nicht Reparaturen, Sorgen oder organisatorische Herausforderungen im Mittelpunkt, sondern Gemeinschaft, Gespräche und gemeinsames Lachen.
Gerade solche Momente zeigen, dass Tierschutz nicht nur von Spenden lebt. Er lebt von Menschen. Von Zusammenhalt. Und von der Gewissheit, dass man diese Aufgabe nicht alleine tragen muss.
Gerade diese Mischung aus harter Arbeit, Gemeinschaft und unzähligen kleinen Momenten machte die Zeit bei Mayday Algarve so besonders.
Denn je länger ich dort war, desto deutlicher wurde mir, dass Tierschutz selten aus einer einzigen großen Tat besteht.
Viel häufiger entsteht Veränderung durch viele kleine Handgriffe, die zusammen etwas Großes bewirken.
Was ich vom Tierschutz gelernt habe
Als ich nach Portugal gekommen bin, dachte ich, dass ich helfen würde.
Rückblickend glaube ich, dass die Hunde mir mindestens genauso viel gegeben haben wie ich ihnen.
Vor meiner ersten aktiven Zeit im Tierschutz hatte ich ein völlig anderes Bild von Tierheimen. Wenn ich an einen Shelter dachte, sah ich vor allem das Leid. Ich sah Hunde hinter Zäunen, schwierige Schicksale und Geschichten, die oft kein gutes Ende genommen hatten. Vielleicht war genau das der Grund, warum ich mich lange nicht getraut hatte, selbst vor Ort mitzuarbeiten.
Heute sehe ich Tierheime anders.
Natürlich gibt es traurige Momente. Natürlich gibt es Geschichten, die einen nicht mehr loslassen. Luna ist dafür das beste Beispiel. Doch wenn ich an Mayday Algarve zurückdenke, denke ich nicht zuerst an die schwierigen Augenblicke.
Ich denke an die Hunde, die jeden Morgen voller Vorfreude auf einen neuen Tag gewartet haben.
Ich denke an die Helfer, die trotz aller Herausforderungen niemals aufgegeben haben.
Ich denke an die vielen kleinen Fortschritte, die Außenstehenden vielleicht gar nicht auffallen würden.
Vor allem habe ich gelernt, dass Hoffnung oft viel leiser ist, als wir denken.
Sie steckt nicht in großen Schlagzeilen oder spektakulären Rettungsaktionen. Sie zeigt sich in einem Hund, der nach langer Zeit wieder Vertrauen fasst. In einem reparierten Schlafplatz. In einem gefüllten Futternapf. Oder in einem freiwilligen Helfer, der nach einem langen Arbeitstag trotzdem noch eine Runde mit einem Hund spazieren geht.
Mayday Algarve hat mir gezeigt, dass Tierschutz nicht bedeutet, die Welt auf einmal zu verändern.
Es bedeutet, dort zu helfen, wo man gerade helfen kann.
Manchmal mit Geld.
Manchmal mit Zeit.
Manchmal mit Werkzeug.
Und manchmal einfach mit der Entscheidung, nicht wegzuschauen.
Genau deshalb denke ich heute noch oft an diesen Ort zurück. Nicht weil dort alles perfekt war. Sondern weil dort jeden Tag Menschen ihr Bestes geben, um das Leben der Hunde ein kleines Stück besser zu machen.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Lektion, die ich von ihnen gelernt habe.
Wie du helfen kannst
Wenn du bis hierher gelesen hast, dann hat dich die Geschichte von Mayday Algarve vielleicht genauso berührt wie mich.
Die gute Nachricht ist: Man muss nicht um die halbe Welt reisen oder mehrere Wochen in einem Tierheim verbringen, um etwas zu bewegen.
Hilfe beginnt oft viel kleiner, als viele Menschen denken.
Ein geteilter Beitrag kann neue Unterstützer erreichen. Eine kleine Spende kann Futter, Medikamente oder Baumaterial finanzieren. Ein Besuch im Tierheim, eine Patenschaft oder einige Stunden Freiwilligenarbeit können für ein Tier einen echten Unterschied machen.
Auch meine Zeit bei Mayday Algarve wurde nur durch die Unterstützung vieler Menschen möglich. Durch meine Community, durch Menschen, die Beiträge geteilt haben, durch Unterstützer meiner Spendenaktion und durch alle, die meine Partnerlinks genutzt haben. Jeder einzelne Beitrag hat dabei geholfen, direkt vor Ort Unterstützung zu leisten.
Deshalb gilt mein Dank nicht nur den Helfern im Shelter, sondern auch allen Menschen, die im Hintergrund dazu beigetragen haben.
Denn Tierschutz funktioniert selten allein.
Er funktioniert, wenn viele Menschen kleine Dinge beitragen und daraus gemeinsam etwas Großes entsteht.
Als ich Mayday Algarve verließ, blieben die Hunde, die Gehege und die täglichen Aufgaben zurück. Doch ein Teil von mir blieb ebenfalls dort.
Zwischen wedelnden Schwänzen, schmutzigen Arbeitshandschuhen, gemeinsamen Abendessen und den vielen Hunden, die mich daran erinnert haben, worauf es im Leben wirklich ankommt.
Vielleicht konnte ich nicht die Welt verändern.
Aber vielleicht wurde die Welt für einige dieser Hunde ein kleines Stück besser.
Und manchmal ist genau das genug.

Von Herzen
Chris, Mia & Maya 🐾
